Das Salz war ein Jahrtausend lang der wichtigste Bodenschatz der Heide und machte die Lüneburger Bürger reich. Im 19. Jh. entdeckte man bei Wietze Erdölvorkommen, die noch bis in die Nachkriegszeit hinein gefördert wurden. Ein unbekannterer, aber keineswegs unbedeutenderer Bodenschatz ist die Kieselgur - Panzerungen von Kieselalgen, die zwischen den Eiszeiten in Seen lebten und dann während der folgenden Eiszeiten wieder mit Schutt abgedeckt wurden. Kieselgur wird für die Herstellung von Dynamit ebenso benötigt wie als Filter beim Bierbrauen, sie dient als Katalysator bei chemischen Prozessen und als Träger für Chemikalien. Sie wird vor allem in der Umgebung von Unterlüss abgebaut, wo auch Deutschlands einzige Kieselgurfabrik steht.
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Fachwerkbauten zieren nicht nur die Ortskerne in den meisten Städten der Heide, sondern auch viele Dörfer. Viele kleine Heidekirchen sind in der Skelettbauweise des Fachwerks erbaut. Pfosten, Querverbindungen und Streben bestehen meist aus Eichenholz. Die Gefache genannten Zwischenräume waren ursprünglich nur mit in Lehm getauchten Holzlatten oder mit Flechtwerk und Lehm ausgefüllt worden, später auch mit Backstein. Die oberen Stockwerke der oft vielgeschossigen städtischen Fachwerkhäuser stehen aus konstruktiven Gründen, aber auch, um Wohnfläche zu gewinnen, nicht selten etwas vor. Querbalken und Streben sind reich beschnitzt und manchmal auch farbenfroh bemalt, viele Querbalken zieren Spruchbänder. Manchmal sind auch die Backsteine so gelegt, dass sie schöne Muster ergeben.
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Auch in der Heide ist es modern geworden, sich an romantischen Plätzen das Jawort zu geben. In Gifhorn und in Eschede stehen dafür Windmühlen zur Verfügung. Im Museumsdorf Hösseringen kann man im 400 Jahre alten Brümmerhof den Bund fürs Leben schließen. Im Heide-Park Soltau tritt man in einer Kirche aus dem 15. Jh. vor den Traualtar - und kann als Vorschau aufs Eheleben gleich nach der Trauung eine Achterbahnfahrt unternehmen.
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Die Imkerei war für viele Heidebauern immer schon ein einträgliches Nebengeschäft. Honig wurde früher mehr gebraucht als heute, denn er war lange der einzige in großen Mengen zur Verfügung stehende Süßstoff. Das Bienenwachs brachte Licht in Häuser und Werkstätten; seit vorgeschichtlicher Zeit wurde es zudem für Gussformen gebraucht.
Eine Besonderheit der Heide sind die Bienenzäune: früher mit Holzlatten, heute meist mit Reet gedeckte Regale, die manchmal gar die Form einfacher Häuser annehmen. Sie schützen vor Wind und vor direkter Sonneneinstrahlung und erleichtern es den Bienen, in ihren Brutkammern ständig die erforderliche konstante Temperatur von 35 Grad zu halten.
Häufig stehen in den Bienenzäunen moderne Bienenkästen, manchmal aber auch noch die traditionellen Bienenkörbe aus Weidengeflecht, die mit Kuhmist abgedichtet sind. Man nennt sie »Lüneburger Stülper«. Jeder Staat, der in solch einem Bienenkorb lebt, besteht aus etwa 50 000 Bienen. Etwa 40 Prozent von ihnen sind bei gutem Wetter mit dem Nektarsammeln beschäftigt, die übrigen erledigen andere Arbeiten im Korb. Jede Biene arbeitet in ihrem nur etwa 30-35 Tage währenden Leben je nach Alter in verschiedenen »Berufen«.
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Anders als in katholischen Kirchen gibt es in protestantischen Kirchen immer nur einen Altar. Eine protestantische, in Heidekirchen häufige Sonderform des Altars ist der Kanzelaltar, der im 18. Jh. in Mode kam. Er betont die Bedeutung des Wortes, erhebt es über das liturgische Geschehen. Altar und Kanzel bilden dabei eine Einheit, die Kanzel ragt aus der gemeinsamen Rückwand, oft von Säulen getragen, über den Altar hervor.
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Dem Journalisten und Dichter Hermann Löns (1866-1914) hat die Heide als Fremdenverkehrsregion viel zu verdanken. Mit seinen einfühlsamen und romantischen Beschreibungen von Tieren, Menschen, Jagd und Landschaft in der Heide traf er den Nerv eines städtischen Publikums, das die negativen Folgen von Industrialisierung und Verstädterung immer deutlicher spürte und sich begeistert der Natur zuwandte. Das schriftstellerische Werk von Löns, der im Ersten Weltkrieg als Freiwilliger in Frankreich fiel, ist allerdings auf viel Kritik gestoßen - nicht zuletzt wegen seiner teilweisen Verherrlichung des Soldatentums sowie seiner nationalistischen und gar rassistischen Anklänge. Den Durchschnittsdeutschen ficht das nicht an, wie die vielen Löns-Gedenksteine in der Heide beweisen.
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Süddeutsche mag es erstaunen, dass Norddeutschland keineswegs nur »plattes Land« ist. Auch hier gibt es Hügel und Täler - Heide und Wendland sind das beste Beispiel dafür. Die Landschaft ist das Werk gewaltiger Gletschermassen, die sich während der Saale-Eiszeit von Skandinavien aus bis zu den deutschen Mittelgebirgen vorschoben und teilweise bis zu 3 km dick waren. Diese Gletscher schürften auf ihrem Weg gewaltige Geröll- und Gesteinsmassen aus dem Boden heraus und transportierten sie über weite Entfernungen. Wo die Gletscherzungen zum Stillstand kamen, türmten sie die Geröllmassen auf; hier entstanden so genannte Endmoränen wie der Wilseder Berg oder der Höhbeck. Am seitlichen Rand der Gletscher bildeten sich Seitenmoränen. Bei jedem Stillstand während des Eisrückzuges entstanden später niedrige Moränenwälle, die staffelförmig hintereinander liegen blieben und so ein sanft gewelltes Hügelland geschaffen haben.
Auch die vielen Findlinge genannten großen Steinblöcke sind ein Produkt der Eiszeit: Die Gletscher haben sie aus Skandinavien mitgeführt. Sie lagerten im oder auf dem Eis und blieben beim Abschmelzen liegen.
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Der Naturschutzpark Lüneburger Heide ist das größte und älteste großflächige Naturschutzgebiet Deutschlands. Eine wirtschaftliche Nutzung ist hier nur unter strengen Auflagen möglich; Besucher müssen sich auf den ausgewiesenen Wegen halten.
Anders als im Naturschutzpark steht in den Naturparks Südheide und Elbufer-Drawehn nicht die gesamte Fläche unter Schutz, sondern nur ein kleiner Teil. Der Begriff ist eher touristischer Prägung; lediglich bestimmte Bereiche unterliegen als Naturschutzgebiete im Naturpark den strengen Schutzbestimmungen.
Noch strenger als im Naturschutzpark wird die Natur in den Nationalparks behütet. Hier gibt es Ruhe- und Kernzonen, die nur zu bestimmten Zeiten auf ausgewiesenen Wegen oder überhaupt nicht betreten werden dürfen. Der Versuch, große Teile des elbnahen Wendlandes zum ersten Nationalpark im Gebiet der Lüneburger Heide zu erklären, scheiterte 1999 an einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts in Lüneburg.
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Die typische bäuerliche Hausform in Heide und Wendland ist das niederdeutsche Hallenhaus, wie man es in der ganzen Norddeutschen Tiefebene findet. Menschen und Tiere leben darin unter einem Dach. Das Haupttor an der Giebelseite führt in die Diele mit Stallungen zu beiden Seiten. Die Wohnung des Hofbesitzers am entgegengesetzten Ende des Hauses nimmt nur wenig Raum ein. Vor diesem Wohnbereich liegt das Flett mit einer offenen Feuerstelle sowie den Schlaf- und Arbeitsräumen des Gesindes. Im aus dem Feuer aufsteigenden Rauch wurden Schinken und Wurstwaren geräuchert; zugleich konservierte der Rauch auch die Holzbalken und hielt Ungeziefer fern.
Die Grundform des niederdeutschen Hallenhauses ist das Zweiständerhaus. Sein Dach ist auf beiden Längsseiten sehr tief heruntergezogen, die Außenwände haben keinerlei tragende Funktion. Die ganze Konstruktion ruht auf einer doppelten Längsreihe tragender Pfosten im Innern des Hauses.
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Ein auffallendes Merkmal vieler Bauernhäuser sind die geschnitzten Pferdeköpfe als Giebelzier an den beiden Enden des Dachfirstes. Im nördlichen Teil der Heide sind die Pferdeköpfe meist nach innen gedreht und einander zugewandt; im südlichen Teil überwiegen Giebel mit nach außen schauenden, einander abgewandten Pferdeköpfen. Dass sie als Windschutz für die Firstenden dienen, ist eindeutig; ansonsten ist ihre Bedeutung umstritten. Manche sehen in ihnen alte germanische Symbole für Krieg und Landnahme, andere sprechen ihnen eine Unheil abwehrende Funktion zu. Schön sind sie auf jeden Fall.
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In den Siebzigerjahren wurde der Beschluss gefasst, die unterirdischen Salzstöcke bei Gorleben im Wendland auf ihre Eignung als Endlager für radioaktive Abfälle zu untersuchen. 1995 entschied das Bundesverwaltungsgericht in letzter Instanz, dass die Arbeiten zulässig sind. 1996 wurde der erste Castor-Spezialbehälter mit abgebrannten Brennstäben aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague unter dem Schutz von 9000 Polizisten nach Gorleben gebracht, das nun nach offiziellem Sprachgebrauch zunächst einmal als »Zwischenlager« dient. Seitdem finden jährlich mehrere solcher Transporte unter massivem Polizeischutz statt. Gelbe Andreaskreuze in Vorgärten und an Hauswänden künden vom Widerstand der Einheimischen.
© Marco Polo