Die Küche Thüringens gilt als schmackhaft und deftig, sie hat für den Gaumen eine Menge zu bieten. Nationalgericht sind die Thüringer Klöße aus geriebenen rohen Kartoffeln, die mit gerösteten Weißbrotwürfeln gefüllt sind. Wer die »echten« auf den Tisch bringt, darüber streitet man sich schon seit ewigen Zeiten. Denn die Beimischungen sind regional unterschiedlich, sie reichen von gekochten Kartoffeln über Mehl bis zu verschiedenen Gewürzen. So unterschiedlich wie die Beimischungen, so verschieden sind auch die Namen für die Klöße. Sie heißen in Schmalkalden »Hebes«, in Meiningen »Hütes«, in Suhl »Knolle« und in den Walddörfern »Klüss«. Das Rezept für die wirklich echten Thüringer Klöße besitzen, so behaupten sie selbst, die Meininger. Denn der Sage nach soll es Frau Holle an ihren Bürgermeister mit den Worten übergeben haben: »Bewahr es und hüt es.« Seitdem werden in Meiningen die Klöße »Hütes« genannt. Die besten Klöße sind wohl jene, bei denen die Gäste sich nicht einigen können, ob sie die Beilage oder das Hauptgericht sind. Man serviert die Klöße mit Braten und viel Soße. Das typische Sonntagsgericht, von Ort zu Ort immer ein wenig anders zubereitet, sind Klöße mit Sauerbraten. Mancher schwört aber auch auf die Roulade oder gebratene Entenkeule mit Rotkohl. Bleiben Klöße übrig, werden sie in fingerdicke Scheiben geschnitten und in der Pfanne beiderseits goldgelb gebraten. Dazu gibt es das restliche Fleisch vom Mittag.
Auch die »Erdäpfel« oder »Arpfel«, wie südlich des Rennsteigs zur Kartoffel gesagt wird, bestimmen den Speisezettel. Das war nicht immer so, denn erst gegen Ende des 18. Jhs. begann zaghaft der Kartoffelanbau. Vor allem im Gebirge, wo der Boden karg und das Klima rau ist, wurden die preiswerten, aber nahrhaften Knollen rasch zum Hauptnahrungsmittel der kleinen Leute. Die Hausfrauen und viele Köche in den Restaurants setzen die Kartoffel phantasievoll ein, wovon die vielseitigen Kartoffelsuppen zeugen. Sogar in den Hefekuchen knetet man gekochte und zerdrückte Kartoffeln. Ein solcher Kartoffelkuchen - frisch muss er allerdings sein - ist eine Delikatesse.
Zu Ruhm über die Landesgrenzen hinaus gelangte die Thüringer Bratwurst, deren würziger Duft vielerorts durch die Gassen zieht. Nur zwischen Eisenach, Altenburg, Nordhausen und Sonneberg gibt es die echten Thüringer: Pikant gewürztes Rind-, Kalb- und Schweinefleisch wird locker in Schweinedarm gestopft. Locker deshalb, damit sich die Wurst beim Knusprigbraten über dem Holzkohlenfeuer blähen kann. Kümmel, Knoblauch, Pfeffer, Salz, Zwiebel und Senf machen den thüringischen Grundgeschmack aus, auch in der Rostbratwurst. Der Legende nach ist die Thüringer Volksspeise Nr. 1 so entstanden: Im 7. Jh. sollen die im östlichen Thüringen siedelnden Sorben in Därme gefülltes Hackfleisch als Wegzehrung mit sich geführt haben. Als ein starker Regen sie zu plötzlicher Rast zwang, hätten sie in der Schnelle die gefüllten Därme über das Feuer gehalten - und fertig war die erste Thüringer Bratwurst. Oft wird auf dem Holzkohlegrill auch das Thüringer Rostbrätl (Schweinekammscheiben) gebraten, das es mit gerösteten Zwiebelringen gibt.
Im Eichsfeld ist der Eintopf »Saure Klebchen« beliebt. Er wird im Anschluss an eine Hausschlachtung zubereitet. Wenn im Eichsfeld vom »Feldgieker« die Rede ist, dann handelt es sich um harte Mettwurst aus bestem Schweinefleisch, die erst nach einer Lufttrocknung von mindestens sechs Monaten ihre richtige Reife und Würze erlangt. Der Volksmund gab den Würsten den Namen, denn sie sind so groß, dass sie - an den Häusern aufgehängt - vom Feld aus zu sehen waren.
Am Nachmittag gibt es Kuchen. Ganz vorn rangiert in zahlreichen Regionen der Zwiebelkuchen, der zum Weimarer Zwiebelmarkt ebenso gehört wie die Zwiebelrispen. Aber frisch muss der Zwiebelkuchen sein, deshalb ist er in vielen Konditoreien nur an bestimmten Tagen zu haben. Zur Kirmes (Kirchweihfest) werden unterschiedliche trockene und feuchte Kuchen gebacken. Zu Weihnachten bereitet die Hausfrau Stollen zu, der »Scheit« oder »Chressamel« genannt wird.
Traditionell stillen die Thüringer ihren Durst mit frischem Bier aus den einheimischen Brauereien, gern wird beispielsweise das dunkle Köstritzer getrunken. Wer zu viel gegessen hat, der lässt sich einen Nordhäuser Doppelkorn oder einen Aromatique servieren, einen Magenbitter aus der Neudietendorfer Spirituosenfabrik. Seit mehr als 170 Jahren wird er nach einer streng gehüteten Rezeptur in traditioneller Art und Weise - ohne fertige Essenzen und künstliche Aromastoffe - hergestellt.
Auch die Thüringer Küche hat in den letzten Jahrzehnten Neues aus anderen Regionen in ihren Speisezettel aufgenommen. Aber Pizza, Jägerschnitzel und Hamburger werden Rostbratwurst, Rostbrätel und Thüringer Klöße nicht verdrängen. Darauf achten die Thüringer Köche. Sie bereiten ihre Gerichte immer phantasievoller zu, haben in alten Kochbüchern nachgeschlagen und Rezepte aus der Goethezeit hervorgekramt. Was man in zahlreichen Restaurants serviert, sind Gaumenfreuden. Die Tester der Restaurantführer würdigen dies zunehmend mit den begehrten Kochlöffeln oder Hauben.
- Alboth's Restaurant: Kreative Küche und aufmerksamen Service bietet dieses Restaurant in der Futterstr. 15/16 (im Kaisersaal)
- Café Rommel: Im Wiener Kaffeehausstil. Hier schmecken die meisterhaft gefertigten Konditoreiwaren, und es liegen Tageszeitungen und Journale aus. Johannesstr. 34
- Castell: Neben der feinen Kochkunst werden auch regionale Gerichte angeboten. Kleine Arche 4
- Gasthaus zur Hohen Lilie: Eines der ältesten Gasthäuser Europas, das, nachdem es jahrelang leer gestanden hatte, saniert wurde. Es wird Thüringer und internationale Küche serviert. Domplatz 31


