Doch das ist noch lange nicht alles: Die Küche der Pfalz ist äußerst vielseitig.
Drei große W spielen im Leben der Pfälzer die entscheidende Rolle: Weck, Worscht un Woi - für die Nordlichter: Wecken (Brötchen), Wurst und Wein. Doch tun wir damit den Pfälzern unrecht. Gewiss lieben sie die beschauliche Brotzeit mit einem halben Kranz Fleischwurst, die sie in kleine Rädchen schneiden und mit der Spitze des Taschenmessers in den Mund schieben. Dazu verzehren sie zwei, drei Semmeln und spülen das Ganze mit einem Schoppen Wein hinunter. Doch damit ist nicht der kulinarische Horizont erreicht. Pfälzer sind Bacchusjünger, und diese sind bekanntlich Genießer. Soll heißen: Wo Wein angebaut wird, kann man gut essen. Die Pfalz ist nach Rheinhessen das größte Weinanbaugebiet Deutschlands. Zur Krumbeere (Kartoffel) haben die Pfälzer ein besonders inniges Verhältnis. So gibt es Krumbeeresupp in vielerlei Varianten: mit Kräutern, fein püriert mit Steinpilzen, als rötlichen Eintopf mit frischen Tomaten oder als saure Krummbeerebrieh. Letzteres ist eine saure Kartoffelsuppe mit Lorbeerblättern, Nelken und einem Schuss Essig. In ihr schwimmen verkochte Schweinsfüßchen, dazu isst man gebratene Leber- und Blutwürste. Im Frühjahr, wenn die ersten Kräuter sprießen, bevorzugen die Pfälzer leichte Kost, etwa Kopfsalatsuppe, Kerbelsuppe, Spinatsuppe und Spargelsuppe.
Zwangsläufig kommen wir nun zum bekanntesten Pfälzer Gericht, dessen derber Name schon manchen abgeschreckt hat. Helmut Kohl, ein echter Pfälzer Bub von Statur und Überzeugung, hat diese Speise aller Welt vorgeführt. Er lud Staatsoberhäupter wie François Mitterrand, Margaret Thatcher, Michail Gorbatschow oder George Bush in die Pfalz ein und tischte ihnen Saumagen auf. Bei diesem Gericht verschwammen Ideologien und Gegensätze; Machtblöcke und Gesellschaftsordnungen lösten sich im duftenden Dunst des Weinkrauts auf, zumindest so lange die Platte warm war. Der Saumagen ist ein simpler, 24 Stunden gewässerter Schweinemagen, der mit einem Gemisch von Speck, Hackfleisch, gewürfelten Majorankartoffeln, Zwiebeln, Schmalz etc. gefüllt wird. Er wird dann in Scheiben geschnitten und schließlich, gekocht oder gebraten, auf knackigem Weinkraut serviert. Beliebt ist auch die Kombination Saumagen, Leberknödel und Hausmacher Bratwurst.
Kommen wir zu weiteren, für die Pfalz so wichtigen Fleischgerichten, als da sind: Schweineragout, Spieß- und Schwenkbraten, Rindfleisch mit Meerrettichsoße, Kalbskopf, Schweinepfeffer, Kalbsnierenbraten, Pfälzer Sauerbraten, Hammelfleesch mit Gellerriewe (Hammel mit Karotten), Bäckerofe (wie der Elsässer Baeckeofe ein Fleisch-Kartoffel-Eintopf), Kreuznacher Spanferkel, Schinken im Brotteig, gefüllter Schweinebraten, Flääschknepp (Klöße aus verschiedenen Fleischarten).
Ohne Gemüse ist die Pfälzer Küche nicht denkbar. Die Einheimischen verlangen zu fast jedem Hauptgang etwas Frisches, Knackiges, etwa einen Salat. Eine beliebte Beigabe zum Spießbraten ist der Rettichsalat oder der überhaupt nicht schwer im Magen liegende Zwiebelsalat, bei dem das Gemüse vorher blanchiert und in Öl und Essig angerichtet wird. Vom Frühjahr an wird bis weit in den Juni hinein Spargel gestochen; nahezu jedes Wirtshaus bietet frische Spargelgerichte an. Ein typisches Pfälzer Herbstgemüse sind Esskastanien, die überall wild am Rand der Haardt wachsen. Ein weiteres, schier unerschöpfliches Thema ist die Brotzeit oder Vesper, die zu jeder Tages- und Nachtzeit genommen wird. Dazu gehören ein deftiges Bauernbrot, Woiknorze (kleine, scharf gebackene Roggenbrötchen) und Wurst wie die berühmte Pfälzer Lewwerworscht (Leberwurst, frisch oder geräuchert) mit wenig Fett und reichlich Majoran oder die ebenso berühmte Blut- und Grieweworscht (Blut- und Griebenwurst) sowie der Schwartenmagen. Die Pfälzer sind Leckermäuler. Unbedingt probieren sollte man den Lattwersch, eine feste Zwetschgenkonfitüre, bei der die Schalen der Früchte mit eingekocht worden sind, sowie das säuerliche Weingelee. Ebenso vielfältig ist das Angebot an Kuchen. Auch hier sei noch eine besondere Spezialität erwähnt, die es allerdings nur im Sommer gibt: der Kerscheplotzer. Das ist ein Auflauf mit frischen Süßkirschen.
Das Getränk der Pfalz ist - welch eine Frage! - der Wein. Links und rechts der 80 km langen Weinstraße wird zwischen Bockenheim und Schweigen auf über 230 km² Wein angebaut. Hauptsorte ist der Riesling, gefolgt von Müller-Thurgau und Portugieser. Sehr beliebt und erfrischend ist die »saure Schorle« im 0,5-l-Glas, das normalerweise zu 75 Prozent mit Wein und zu 25 Prozent mit Mineralwasser gefüllt wird. Ein wahres Wunder hat sich innerhalb der letzten zehn Jahre im Pfälzer Rotweinbereich vollzogen. Anstelle der früheren, dünnen und hellfarbigen Weine aus den Massenerträgen der Portugieser Rebe werden bei einer wachsenden Zahl von Winzern Dornfelder, Cabernet Sauvignon, St. Laurent (Blaufränkisch) und Spätburgunder, der König des Rotweins, erzeugt. Wenn die großen Jahrgänge solcher Weine dann noch in kleinen französischen Eichenfässern (Barrique) reifen, kann der Kunde bisweilen Rotweine kaufen, deren Qualität vor Jahren noch unvorstellbar gewesen wäre. Solche Tropfen haben natürlich ihren Preis (ab 12 Euro).
- Backmulde
Gepflegtes Restaurant, erstklassige Küche mit veredelten Regionalgerichten. Phänomenale Weinkarte.
Karmeliterstraße 11-13 - Gasthaus zum Domnapf
Deftige Pfälzer Spezialitäten und köstliche Fischgerichte.
Domplatz 1 - Kutscherhaus
Ausgezeichnete Küche. Sie sollten reservieren.
Am Fischmarkt 5 a - Zum Alten Engel
Gehobene Küche in einem alten Backsteingewölbe, große Weinauswahl.
Mühlturmstraße 7


