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Hier schlägt das Herz der Pfalz. In der 2000 Jahre alten Stadt sind Geschichte und Kultur so deutlich präsent wie nirgends sonst in der Region. In dem prächtigsten pfälzischen Bauwerk, dem Dom, liegen die Kaiser des Landes begraben. Lange vor Christi Geburt hatten die Kelten eine Siedlung am Rhein gegründet: Noviomagus. Hier siedelten germanische Nemeter, als 10 v. Chr. römische Legionäre kamen und die Stadt sowie ihr Militärlager Civitas Nemetum nannten. Die Römer blieben fast 400 Jahre, bis schließlich die Alemannen und dann die Franken zu Beginn des 5. Jhs. die Stadt eroberten. Ab dem 7. Jh. tauchte der neue Name Spira mit der Ernennung zum Bischofssitz (614) auf. Ab 1030 baute das Kaisergeschlecht der pfälzischen Salier in Speyer den Dom, der zu diesem Zeitpunkt die größte Kirche der Christenheit war. Im Dezember 1146 rief Bernhard von Clairvaux auch in der Kathedrale von Speyer zum Zweiten Kreuzzug auf. 1294 wurde Speyer Freie Reichsstadt, über 50 Reichstage hielt man hier ab. Während des gesamten Mittelalters regierten die Bischöfe weite Teile des Landes. Im Erbfolgekrieg wurde Speyer 1689 von den Franzosen in Asche gelegt. Heute ist Speyer (50 000 Ew.) eine moderne Stadt, die neben bedeutenden Sehenswürdigkeiten auch eine renommierte Verwaltungshochschule und einige wichtige Industriebetriebe vorweisen kann.
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Die Weinbaustadt (17 200 Ew.) ist ein idealer Ausgangspunkt für Ausflüge in den Pfälzerwald oder in die umliegenden Weindörfer. Turicheim wurde schon 778 im Lorscher Codex erstmals erwähnt. 1338 wurden Salzquellen entdeckt, die der Stadt einen gewissen Wohlstand bescherten.
Bad Dürkheim ist die Stadt der historischen Feste. Seit 1480 wird jährlich an Pfingsten das Käskönigfest gefeiert, seit 1417 der Wurstmarkt im September, angeblich das größte Weinfest der Welt. Der Auftrieb ist gewaltig, und Gäste, die gern beim Zechen singen und schunkeln, sind hier richtig.
Schönes Dorf (9000 Ew.) am Rand des Bellheimer Walds, 21 km südlich von Speyer. Hier gibt es noch zahlreiche historische Fachwerkhäuser, eine bekannte Brauerei - und das Bellheimer Bräustübl, ein Restaurant mit feinbürgerlicher Küche. Als Aperitif sei ein Bellheimer Naturtrüb empfohlen.
Deidesheim (3600 Ew.) ist ein Städtchen von mediterranem Flair mit engen, verwinkelten Gassen, einem verwunschenen Stadtmauergraben, Weinhöfen und einem romantischen Marktplatz - einfach zum Verlieben. Im Jahr 1898 wurde hier der erste pfälzische Winzerverein gegründet; er gehört noch heute zu den besten seiner Art.
Der Geißbock ist das Wahrzeichen von Deidesheim. Seit 1404 muss der Nachbarort Lambrecht die Weiderechte im Deidesheimer Wald mit einem Ziegenbock abgelten. Jeden Pfingstdienstag wird er auf der Rathaustreppe versteigert - eine Riesengaudi.
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Bayerns König Ludwig I. sprach im 19. Jh. ein wahrhaft majestätisches Wort: »Edenkoben, einer altpfälzischen Stadt, gebe ich den Vorzug!« Er wusste, wovon er sprach, denn er war ein großer Genießer. 1848 hatte er wegen einer Affäre mit der schönen Tänzerin Lola Montez abdanken müssen. Seine Freizeit verbrachte der königliche Privatier meist hier in seiner Sommerresidenz. Die Einheimischen sehen in ihrem Städtchen (5900 Ew.) gar den Mittelpunkt des Paradieses, den Garten Eden, der dem Ort auch seinen Namen gegeben haben soll.
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Wiederholt wurde dieses Städtchen (4350 Ew.) das »pfälzische Rothenburg« genannt. Und da ist was dran! Man bummelt gemütlich durch die Altstadt, verkostet ein wenig Wein in einer der Probierstuben oder genießt die Vorzüge der Freinsheimer Gastronomie. Im Hahnenturm und im Herzogturm kann man Ferienwohnungen mieten: der Geheimtipp für Verliebte und Verlobte oder sogar für die Hochzeitsnacht. Die Heiratsformalitäten erledigt die Gemeinde. In den Wehrtürmen der mittelalterlichen Gemäuer wurden einige Ferienwohnungen eingerichtet.
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Die Festungsstadt 16 km südlich von Speyer (22 000 Ew.) geht zurück auf die römische Soldatensiedlung Vicus Julius, die im 2. Jh. angelegt wurde und bis ins 4. Jh. bestand. 1276 ernannte Rudolf von Habsburg Germersheim zur Freien Reichsstadt. Imposant sind die Anlagen der Bundesfestung, die im 19. Jh. unter bayerischer Herrschaft errichtet, aber nach dem Versailler Vertrag wieder geschleift wurden. Das Stadt- und Festungsmuseum im Ludwigstor gibt einen Überblick über die bewegte Geschichte.
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Das wirtschaftliches Zentrum der Südpfalz (37 300 Ew.) nennt sich zu Recht Garten- und Weinstadt. In der warmen Jahreszeit blüht und grünt es in nahezu allen Winkeln; die Weinberge reichen bis an die Stadtgrenze, obwohl die Weinstraße doch einige Kilometer weiter westlich am Rand des Haardtgebirges verläuft. 1274 erhielt die Siedlung Landaw, die 1108 erstmals urkundlich erwähnt wurde, von Rudolf von Habsburg die Stadtrechte, 1291 folgte die Erhebung zur Freien Reichsstadt, dann eine 200 Jahre dauernde Verpfändung an die Bischöfe von Speyer. 1648 wurde Landau unter die Hoheit Frankreichs gestellt. König Ludwig XIV. ließ die Stadt von seinem Militärbaumeister Sébastien de Vauban zur »stärksten Festung der Christenheit« ausbauen. 1867 wurde die riesige Festung bis auf kleine Teile geschleift. Immerhin entstanden im Bereich des ehemaligen Festungsgürtels auch jene Parkanlagen, die für das heutige Stadtbild unersetzlich sind: Goethe-, Schiller- und Ostpark sowie der spätere zoologische Garten. Heute ist Landau eine lebendige, grüne Stadt mit dem kulturellen, studentischen Schwung einer kleinen Universität (1991 gegründet).
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Mit 167 200 Einwohnern ist Ludwigshafen die größte Stadt der Pfalz, die allerdings eher durch industrielle als durch touristische Highlights glänzt. Das kulturelle Angebot ist über das ganze Jahr hinweg reichhaltig und vielfältig. Hervorgegangen ist die Stadt aus einer Rheinschanze, die als Schutzbefestigung für die am anderen Rheinufer gelegene Festung Mannheim gegründet wurde. Der bayerische König Ludwig I. ließ 1843 einen Staatshafen anlegen, der ihm zu Ehren Ludwigshafen genannt wurde - und damit hatte auch die mit der beginnenden Industrialisierung wachsende Stadt ihren Namen. 1865 siedelte sich das Unternehmen an, das der Stadt zur Weltgeltung verhelfen sollte: die Badischen Anilin- und Sodafabriken, aus denen der Chemiegigant BASF entstand. Heute ist BASF der größte private Arbeitgeber im gesamten Bundesland Rheinland-Pfalz.
Der heutige Stadtkern ist ein Paradebeispiel für den deutschen Wiederaufbau der 1950er-Jahre - mit allen Licht- und Schattenseiten. Ein modernes Wahrzeichen von Ludwigshafen ist der Hauptbahnhof mit dem Pylon einer Hochstraße, bei dem der Verkehr auf vier Ebenen übereinander fließt, für Fußgänger aber auch den Nachteil weiter Wege mit sich bringt. Der Stadtteil Oggersheim ist nicht nur durch seinen prominentesten Bürger, den früheren Bundeskanzler Helmut Kohl, bekannt. 1782 wohnte hier der Dichter Friedrich Schiller.
Der Geißbock ist das Wahrzeichen von Deidesheim. Seit 1404 muss der Nachbarort Lambrecht die Weiderechte im Deidesheimer Wald mit einem Ziegenbock abgelten. Jeden Pfingstdienstag wird er auf der Rathaustreppe versteigert - eine Riesengaudi.
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Auch diese badische Großstadt (325 000 Ew.) auf der anderen Seite des Rheins war kurpfälzische Domäne. Sie wurde 1606 von Kurfürst Friedrich IV. gegründet, der die neue Handelsstadt vom holländischen Baumeister Bartel Janson schachbrettartig in Quadraten anlegen ließ. 1720 verlegten die pfälzischen Herrscher sogar ihre Residenz von Heidelberg nach Mannheim. Trotz des Bombenhagels im Zweiten Weltkrieg hat Mannem noch genügend »kurpfälzische Substanz«. Seine Menschen sind dem Wesen nach Kurpfälzer, obwohl sie nun seit über 50 Jahren zu Baden gehören. Ihr Dialekt ist pfälzisch, die Lebensart ebenso. Deshalb lohnt sich ein Besuch der Stadt auf jeden Fall, zumal man von Bad Dürkheim aus sogar mit der Straßenbahn über den Rhein fahren kann. Mannheim ist eine vielseitige Stadt mit vielen schönen Parkflächen (Luisen-, Schloss-, Herzogenriedpark etc.), attraktiven Einkaufsstraßen (An den Planken, Kurpfalzstraße), einem sehr schönen historischen Marktplatz mit altem Rathaus (1701-23) und einem außergewöhnlichen Kultur- und Unterhaltungsangebot (Nationaltheater, Veranstaltungszentrum Rosengarten etc.).
Die bedeutendste Sehenswürdigkeit ist aber das Mannheimer Schloss mit der Schlosskirche. Es dürfte nach Nymphenburg in München die größte deutsche Barockanlage sein, ein Bauwerk mit einer Gesamtspannweite von über 500 m. Zwei Kurfürsten bauten 40 Jahre an der riesigen Residenz (über 400 Säle), die um 1760 fertig wurde. Ein imposantes Treppenhaus liegt im Mittelbau des Schlosses. Die Schlosskirche wird im Innern von Deckengemälden von Cosmas Damian Asam geschmückt.
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Neustadt (52 000 Ew.) ist das Zentrum der deutschen Weinstraße. Einige Hochhauskomplexe, die so gar nicht in das Rebenmeer passen wollen, säumen die am Rand des Pfälzerwalds liegende Stadt. Doch es gibt auch noch das alte Neustadt; spätestens in den verwinkelten Gassen der Altstadt oder bei einem Bummel über den Wochenmarkt neben Stiftskirche und Rathaus stellt sich das Gefühl von Romantik ein. Die gemütliche Atmosphäre, geprägt von sonnigen Klima und - natürlich! - vom Wein, ist mit allen Sinnen spürbar.
In dem hübschen, am Rand des Bienwalds gelegenen Dorf (4500 Ew.) 30 km südlich von Speyer gibt es viele intakte Fachwerkhäuser aus dem 18. Jh. Wegen der Tonvorkommen siedelten sich hier vor 2000 Jahren Römer an. Bereits im 1. Jh. entstanden auf diesem Gebiet vier römische Militärziegeleien. Das Terra-Sigillata-Museum im alten Schulhaus hinter dem Rathaus stellt einen Teil der zahlreichen antiken Funde aus.
© Marco Polo