Darüber besteht landesweit Einigkeit - trotz vieler regionaler Unterschiede.
Dass man in Österreich heute von der Wiener und nicht von einer österreichischen Küche spricht - was beides keinesfalls gleichzusetzen ist -, geht auf jene Zeit zurück, als Wien noch die Hauptstadt eines Vielvölkerstaates war. Als Europa nach Napoleons Kriegen Anfang des 19. Jhs. in Scherben lag, sollte auf dem Wiener Kongress (1814/15) die Neuordnung des Kontinents erarbeitet werden. Während andernorts die Entstehung der Nationalstaaten zur Ausprägung einer nationalen Küche führte, umfasste der habsburgische Vielvölkerstaat aber mehrere Nationen, und so wurde die Küche nach der Reichshauptstadt benannt. Die Wiener Küche, wie wir sie heute kennen, ist ein bunter kulinarischer Flickenteppich und besteht aus Gerichten, wie sie einst in allen Winkeln der Monarchie gekocht wurden: »Was gut ist, schafft den Weg nach Wien, und was besser ist, wird dort auch Bestand haben.« Vieles - wie das ungarische Gulasch, die böhmischen Mehlspeisen, das als Wiener Schnitzel den Mailändern abgeschaute scaloppina milanese, der türkische Strudel oder der von galizischen Juden mitgebrachte gesulzte Karpfen - ist zu Highlights der Wiener Küche geworden. Selbst der Tafelspitz, das gekochte Gustostückerl vom Rindfleisch, hat große Ähnlichkeit mit dem italienischen bollito misto, obwohl dieses Gericht schon deshalb als typisch wienerisch zu gelten hat, weil es zu den Leibgerichten von Kaiser Franz Joseph zählte. Selbst Österreichs liberaler Kanzler Bruno Kreisky verordnete, dass bei Regierungsklausuren für alle Teilnehmer Tafelspitz aufzutragen sei.
Ist von der österreichischen Küche die Rede, sind in der Hauptsache Gerichte aus den alpenländischen Regionen gemeint. Eines der Merkmale dieser Küche besteht darin, dass sie kaum Fleischgerichte aufweist. Was aber keinesfalls den Schluss zulässt, dass es sich bei der österreichischen Landbevölkerung seit jeher um Vegetarier handelte. Auf den Teller kam neben den Milchprodukten, was Feld und Garten abwarfen. In den gebirgigen Regionen beschränkte sich dies auf wenige Gemüsesorten und Feldfrüchte. Frisch geschlachtetes Fleisch kam in den meisten Haushalten nur an hohen Feiertagen auf den Tisch. Der überwiegende Teil wurde durch Suren (Pökeln) und Selchen (Räuchern) als Vorrat angelegt. Dadurch hat der Speck in sehr vielen Rezepten eine große Bedeutung bekommen. Die Qualität einer Küche und das Können einer Köchin wurde nach der Menge des verkochten Specks bemessen. Auch die Mehlspeisenküche verdankt ihre Vielfalt diesem Umstand. Aber was würde man nicht alles vermissen, gäbe es keinen Schmarrn, keine Buchteln, Dalken, Strudel oder gefüllte Palatschinken, die noch oft als Hauptgerichte auf den Tisch kommen.
Die Qualität des Essens hat in den vergangenen zwanzig Jahren stetig zugenommen. Es wurde wieder verstärkt auf die Besonderheiten der Wiener bzw. der österreichischen Küche sowie auf die Qualität der Zutaten, die möglichst aus der Region kommen sollen, geachtet. Außerdem muss man nicht unbedingt die Gourmettempel aufsuchen, um sich von Österreichs Köchen und Köchinnen in den siebten Himmel schicken zu lassen.
Unter Kennern genießt der österreichische Wein weltweit einen sehr guten Ruf. Einige der burgenländischen Rotweine zählen mittlerweile zu den weltbesten Weinen überhaupt. Und in einen spritzigen, satt goldenen Grünen Veltliner aus der Wachau, wo die ersten Rebstöcke bereits zur Römerzeit angebaut wurden, verlieben sich Kenner sowieso immer wieder aufs Neue. Aber auch alte Rebsorten wie Roter Veltliner, Roter Riesling und Grüner Sylvaner werden weiter ausgebaut und ergänzen das Sortiment. Seit einigen Jahren produzieren immer mehr Winzer auch flaschenvergorenen Sekt und erzielen damit Erfolge. Zu den heimischen Weinanbaugebieten zählt neben Wien, Niederösterreich und dem Burgenland auch die Südsteiermark. Dennoch besagt die Statistik, dass in Österreich dreimal so viel Bier wie Wein getrunken wird. Das Salzburger Land kann mit einer großen, von den Klöstern ausgehenden Bierbrauertradition aufwarten, ebenso wie Tirol und Vorarlberg. Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von knapp 170 l zählen Salzburg und Tirol zu den Spitzenreitern im Biertrinken, allerdings sind beide Bundesländer auch Spitzenreiter im Tourismus. In Oberösterreich und in Teilen Kärntens wird eher Most, meist aus vergorenem Apfel- oder Birnensaft hergestellt, getrunken.
Vor dem Schnaps kommt der Kaffee. Es überrascht längst nicht mehr, dass auch in den entlegenen Winkeln der Republik ein »g'scheiter« Kaffee serviert wird, worunter entweder Brauner oder Mokka und für empfindlichere Mägen ein Verlängerter zu verstehen ist. Einzig der Frühstückskaffee lässt in vielen Hotels und Pensionen häufig zu wünschen übrig.
Mit der Rechnung kommt der Schnaps. Ob es sich nun um einen Birnenen, Marillenen (Aprikosen), Trebernen (Trester) oder gar Vogelbeerenen (aus den Früchten der Eberesche) handelt - ein Schnapsl ist niemals abzulehnen. Das hieße, Weitblick und Medizin zu verschmähen, denn ein guter Schnaps erhellt den Blick auf die Welt und fördert in jedem Fall die Verdauung.
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Hofbauer
Wirtshaus an der Kremser Kunstmeile, bekannt für seine Waldviertler Spezialitäten. (Steiner Landstr. 5) -
Jell
In dem liebevoll rustikal ausgestatteten Lokal nahe der Gozzoburg wird bodenständig, aber mit Hingabe und Raffinement gekocht. (Hoher Markt 8-9) -
Nigl
Verfeinert bodenständig wird in diesem behutsam restaurierten Winzergasthof gekocht. Grammelknödel mit Veltlinerkraut und dann Mohnnudeln, dazu Weine aus dem hauseigenen Weingut. 3 km außerhalb in Senftenberg. (Kirchenberg 1)


