Feinschmecker wissen das »Arme-Leute-Essen« früherer Tage wieder zu schätzen.
Preußisch-Sibirien wurde die Eifel im 19. Jahrhundert oft genannt. Milch und Honig flossen keineswegs üppig, nicht einmal in den Herrenhäusern des Adels. Acker und Stall, Jagd und Wald gaben kaum das her, was zum Überleben nötig war. So glänzen die überlieferten Rezepte weniger durch Opulenz als durch Einfallsreichtum. Aus wenig so viel machen wie möglich - das war das wichtigste Rezept der Eifeler Hausfrau. Dabei stand ihr zur Verfügung, was Landwirtschaft und Garten lieferten, dazu sammelte sie Früchte und Kräuter.
Die Blätter des jungen, wilden Löwenzahns eignen sich bestens für einen Salat, der mit Kartoffeln und Speck serviert wird. Hongslatze wird das noch heute beliebte Gericht genannt. Viele Eifeler schwören zudem auf Dippelappes, oft auch Schales genannt, einen Teig aus geriebenen Kartoffeln, Zwiebeln und Speck, der in der gusseisernen Form wie ein Kuchen gebacken wird. Oder auf Teertisch, mit Sauerkraut und Speckwürfeln vermengten Kartoffelbrei.
Ein Fisch, gebraten, gekocht oder geräuchert, ist in der Eifel besonders beliebt: die Forelle. Früher waren die Gewässer bekannt für ihren Fischreichtum - sogar Lachse wurden gefangen, wenn sie Flüsse wie Salm, Kyll und Prüm aufwärts wanderten. Heute stammen die Forellen üblicherweise aus Zuchtteichen. Wenn dann noch ein Gasthaus an diesen Teichanlagen liegt, steht dem Fischgenuss nichts mehr im Weg.
Auch für flüssige Nahrung ist gut gesorgt. Im Ahrtal wird Rotwein, vor allem Spätburgunder, angebaut - und das oft in sehr guter Qualität. Die Eifeler fanden aber auch schnell heraus, dass man Wein nicht nur aus Trauben, sondern auch aus Äpfeln keltern kann. Der etwas herbe Apfelwein wird in der Region Viez genannt.
Unter dem Namen Eifel-Premium-Brand hat in den letzten Jahren ein Getränk Furore gemacht, das früher oft als Rachenputzer galt, heute aber sogar den Aufstieg in die gehobene Gastronomie geschafft hat: Obstbrände, hergestellt in Brennereien, die auf vielen Bauernhöfen Teil des landwirtschaftlichen Betriebs sind. Es war Napoleon, der den Bauern im Bitburger Land das Brennen des eigenen Obstschnapses gestattete - und so ist es bis heute geblieben. Allein im Landkreis Bitburg-Prüm laufen noch 190 Brennkessel, um aus vergorenem Obst hochprozentige Brände zu destillieren - übrigens streng überwacht vom Zoll. Ein gewollter Nebeneffekt des Schnapsbrennens: Die Pflege und Neuanlage von Streuobstwiesen steht hoch im Kurs, denn diese liefern ja schließlich den Stoff, aus dem die hochprozentigen Träume gemacht werden. Die beiden bekanntesten, auch europaweit zu den Besten zählenden und alljährlich mit vielen Goldmedaillen ausgezeichneten Eifel-Brennereien sind Faber in Ferschweiler und Vallendar in Kail.
Apollinaris, Gerolsteiner und Brohler - das sind klangvolle Namen für Mineralwässer aus den vulkanischen Tiefen der Eifel. Die Einheimischen bevorzugen eher Bier: das Bitburger, gebraut in einem Familienbetrieb, der sich mit Eifeler Beharrlichkeit an die Weltspitze gesetzt hat.
Die Eifeler Gastronomie hat in den letzten Jahren einen beachtlichen Aufschwung genommen. »Schnipomsa« - Schnitzel mit Pommes und Salat - als einziges Gericht hat längst ausgedient. Zwar gibt es in vielen Gaststätten lediglich diverse Schnitzelvarianten, aber immerhin hat die Zahl der Varianten zugenommen. Inzwischen haben sich auch eine ganze Reihe Restaurants darauf spezialisiert, hochwertige Produkte aus der Region anzubieten. Und ganz bestimmt gilt nicht mehr die Spruchweisheit einer Eifeler Bauersfrau aus dem 19. Jahrhundert.: »War die Kasse leer, musste ein billiges Süppchen her.« Im Gegenteil: Für eine Suppe aus selbst gesammeltem Sauerampfer, einer kräftigen Hühnerbrühe, klein geschnittenem Hühnerfleisch, Kartoffelwürfeln, Butter, Eigelb und Sahne lohnt es sich, etwas tiefer in den Geldbeutel zu greifen.
Mögen die traditionellen Gerichte aus heutiger Sicht auch manchmal etwas schwer wirken, so ist das schlechte Gewissen meist nicht wirklich nötig, denn moderne Köche halten sich auch in der Eifel bei Fett und Füllstoffen zurück. Sie setzen stattdessen auf heimische Kräuter wie Bärlauch aus Eifel-Wäldern und erstklassige regionale Produkte, z.B. auf Ziegenkäse aus der Vulkaneifel und der Schneifel oder Babybeef (Kalbfleisch) aus Strohn.
Allerdings sei nicht verschwiegen, dass Reisende immer wieder die Erfahrung machen müssen, dass das Restaurant ihrer Wahl gerade dann einen Ruhetag hat, wenn sie vor der Tür stehen. Und bitte gehen Sie nicht zu spät zum Mittagessen: Zwischen 14 und 18 Uhr bleibt oft genug nur der Gang in einen Imbiss. Solche Zufluchtstätten hungriger Wanderer finden sich seit einigen Jahren immer häufiger sogar in kleineren Dörfern.
Aus der Fülle der Restaurants zwischen Prüm und Mayen, zwischen Bitburg und Monschau ragen einige heraus, die von Gastrokritikern zu den besten Häusern in Deutschland gezählt werden. Dazu gehören das Waldhotel Sonnora in Dreis bei Wittlich, Steinheuers Restaurant in Heppingen und das Historische Gasthaus Sanct Peter in Walporzheim, das Kurfürstliche Amtshaus in Daun, Kucher's Landhotel in Darscheid und das Seehotel Maria Laach.
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Neuenahrer Brauhaus Rustikale Küche der Region, z.B. Kartoffelsuppe, Eisbein mit Sauerkraut oder Schlachtplatte.
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Prümer Gang Restaurant mit gehobener regionaler Küche im historischem Ahrweiler.
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Steinheuers Restaurant, Landgasthof und Alte Post. Ausgezeichnet mit 2 Michelin Sternen und 19 Punkten Gault Millau, gehört das Restaurant zu den besten Deutschlands.
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Brogsitter's Sanct Peter Ein historisches Gasthaus seit 1246.


