Die Allgäuer Kochkunst verlässt sich auf nahrhafte Grundlagen, auf Küchle, Kuchen und deftige Vesper.
Vielleicht geht für die Allgäuer Schwaben die Liebe noch eher durch den Magen als für Verliebte anderer Regionen. Das Allgäu ist eine konservativ geprägte, bäuerliche Landschaft, in der die Menschen immer schwer für ihr täglich Brot arbeiten mussten. Früher ging es karg zu, zumal in den Höhenlagen, da waren die Mahlzeiten manchmal der einzige Luxus, den man sich leistete. Ob sich daraus eine richtige Kochkunst entwickeln konnte, ist umstritten. Denn es kam früher vor allem auf lang anhaltenden Nährwert und kräftigende Energiezufuhr an.
Die meisten Spezialitäten des Allgäus werden mit Mehl, Eiern, Milch, Wasser und meist auch Käse zubereitet. Daraus entstehen Teiggebilde, die als Nudeln, Spätzle, Knöpfle, Maultaschen serviert werden. »Kasspatzen«, Käsespätzle, werden in der einheimischen Küche noch genauso ernsthaft und regelmäßig gegessen wie früher, ebenso Kraut- und Spinatspätzle oder Krautkrapfen. Wie man selbst fachgerecht Kasspatzen zubereitet, können Sie im Käseladen Sennkuche- Stube (Tel. 08324/27 53) von Resi Schmid in Bad Oberdorf erlernen.
Ehrgeizige Köche versuchen heute zwar, die einfachen Gerichte raffiniert zu veredeln, was waschechte Allgäuer jedoch nicht blenden kann: Sie bevorzugen allemal eine ordentliche Portion Kässpätzle aus Teig und Rohmilch-Bergkäse der fettärmeren Version mit dekorativer Salatbeilage.
In der Küche koexistieren bayrische und schwäbisch-württembergische Traditionen. Die deftige »Brotzeit« (in Württemberg die Vesper), die bayerischen »Schmankerln«, die Knödel und die Leberknödelsuppe gehören ebenso auf die Speisekarte wie die Flädlesuppe von der Württemberger Seite. Aus der Landschaft kommen für die Tafel Wild und Fisch, Forellen aus den regionalen Fischteichen oder diverse Bodenseefische.
Wer die Pfunde fürchtet, die man bei solch deftiger Ernährung zulegen könnte, sei beruhigt: Auch im Allgäu gibt es eine breite Auswahl an Gasthöfen und Gourmetrestaurants mit gehobener und von auswärts beeinflusster Küche. Den traditionellen Arme-Leute-»Stopfer«, eine Mehlschwitze mit Schmalz und Eiern, können nur noch wenige alte Allgäuerinnen zubereiten. Er schmeckt übrigens wirklich nur bei großem Hunger.
Ein süßes Kapitel für sich: die Allgäuer und ihre Küchle, Kuchen, Torten und Gebäcksorten! Schon aus diesem Grund zieht es manche Norddeutsche ins Allgäu: Die Bäckereien und die Dessertkarten haben ein so breites Sortiment, dass selbst eingefleischte »Sauerköpfe« plötzlich Apfelküchle mit Vanilleeis bestellen, eine Art Nationalnachspeise, die wirklich auf der Zunge zergeht. Eine ins 17. Jh. zurückreichende Tradition ist das »Springerle«-Backen vor Weihnachten. Diese mit Modeln, hölzernen Keksformen, geprägten, anisgewürzten Eierteigplätzchen sind unter verschiedenen Namen im ganzen süddeutschen Raum beheimatet und gehören im Allgäu und in Oberschwaben so unverbrüchlich zur Adventszeit wie das Amen in der Kirche. Die in geschnitzten Hohlformen gebackenen Bilder mit phantasievollen Motiven sind Ausdruck künstlerischer Kreativität und dienten zugleich als kleine Geschenke. Im deutschen Brotmuseum Ulm sind viele Modelbeispiele ausgestellt.
Wussten Sie, dass Brezeln früher nur während der 40-tägigen Fastenzeit gebacken und gegessen werden durften? Noch typischer als die Brezel und ihre Variante, das Laugenhörnle, sind die vor allem im Allgäu und im Bodenseeraum beheimateten schwäbischen Seelen. Diese einfache Brotart aus Weißmehl, Wasser und Salz ist heutzutage täglich frisch beim Bäcker zu bekommen. Früher war sie besonderen Gelegenheiten wie Allerheiligen und Allerseelen vorbehalten, wenn man das Seelengebäck armen, hungrigen Menschen gab, die sich durch Aufsagen von Bittsprüchen bedankten.
Die Tendenz zur vollwertigen Ernährung ist im Allgäu stärker ausgeprägt als in anderen Urlaubslandschaften. Gourmet- und Ökoköche vereint das Credo: frische Produkte aus der Umgebung. Dieser Bedarf wird von immer mehr landwirtschaftlichen Betrieben gedeckt, die nach biologisch-dynamischer oder biologisch-organischer Weise arbeiten. Nicht wenige Verbraucher kaufen direkt auf den Höfen Fleisch, Wurst, Geflügel, Eier, Butter, Nudeln, Holzofenbrot und Milch, aber auch Marmelade, Honig, kalt gepresstes Speiseöl, Biowein, Apfelsaft und Schnaps von Streuobstwiesen ein. Wegen der weiten Wege liefern manche Höfe mittlerweile ihre Erzeugnisse nach Bestellung direkt an die Haustür. So mancher überregionale Reformhauslieferant hat seinen Firmensitz im Allgäu.
Im Allgäu haben viele der traditionellen Familienbrauereien in Nischen überlebt. Die Gäste profitieren davon, indem sie unter besonders vielen Biersorten - etwa hellen und dunklen Weißbiervarianten mit und ohne Hefe (»Weizen«) - wählen können. Vorsicht ist jedoch vor der verheerenden Wirkung des süffigen Bockbiers geboten, des köstlichen, aber alkohlreichen Starkbiers mit mindestens 16 Prozent Stammwürze.
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Restaurant Kaiserin Elisabeth
Die Küche des Restaurants Kaiserin Elisabeth im Steigenberger Hotel Der Sonnenhof ist international und regional beeinflusst. Die Auswahl der Speisen richtet sich nach der Saison. Täglich werden wechselnde Menüs, Mittwoch und Samstag Themenbüfetts und Freitag Candlelight-Dinner serviert. -
Restaurant Calla
Das Restaurant Calla im Steigenberger Hotel Der Sonnenhof verführt den Gaumen mit Euro-Asiatischen Spezialitäten aus der Showküche. -
Café Schwermer
Ursprünglich erfolgreiche Confiserie (seit 1894) mit Kaffeehaus in Königsberg. Berühmte Pralinen und Marzipan.
Adresse: Hartenthaler Str. 36. -
Jagdhof Schlingen
Gehoben-rustikales Speiselokal.
Adresse: Allgäuer Str. 1


