Joseph Beuys, Jörg Immendorff, Markus Lüpertz: Namen, die für die zeitgenössische moderne Kunst in Düsseldorf stehen. Drei Professoren an der von Kurfürst Karl Theodor im 18. Jh. gegründeten Kunstakademie - ein Haus mit Tradition. Dort gründete Wilhelm von Schadow 1826 die Düsseldorfer Malerschule, deren Mitglieder als rebellische Realisten den Alltag des preußischen Bürgertums in ihren Werken skizzierten und 1848 gar die Aufnahme des Rechts auf Kunst und Kultur in die Verfassung, die in der Paulskirche ausgearbeitet wurde, forderten. Experten vergleichen die von der Malerschule ausgehenden Impulse mit denen des Dessauer Bauhauses. Sie hatte eine Sogwirkung auch für das Theater, für Musik und Literatur. Karl Immermann, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Robert und Clara Schumann, Gustav Lindemann und Gustaf Gründgens wirkten neben vielen anderen in Düsseldorf. Im Künstlerverein Malkasten feierte die Szene ihre rauschenden Feste.
Wer ist »Düsseldorfer des 20. Jahrhunderts«, fragte die Lokalredaktion der Rheinischen Post zum Millennium. Auswahl hatten die Leser genug - an Promis mangelt es der Stadt schließlich nicht. Campino, Heino und Marius Müller-Westernhagen wuchsen hier auf, Heike Makatsch und Eisprinzessin Tanja Szewczenko begannen am Rhein ihre Karrieren. Mit Silvia von Schweden ist sogar eine echte Königin Tochter der Stadt. Doch der ganze Glanz ließ die gemeinhin als arrogant, oberflächlich und versnobt verschrieenen Düsseldorfer völlig kalt: Sie wählten den Industriellen Konrad Henkel. Den 1999 verstorbenen Chemiefabrikanten hatten die Menschen ins Herz geschlossen, weil er bescheiden war: Gutes tat Henkel - ob als Kunstmäzen oder als Mann mit Mitgefühl für Notleidende - stets im Stillen.
Eine Straße im Zentrum trägt seinen Namen, eine U-Bahn-Station und die Universität. Die Düsseldorfer sind stolz auf Heinrich Heine, den berühmtesten Sohn ihrer Stadt, dessen Leben und Werk von Wissenschaftlern an einem eigens dafür geschaffenen Institut erforscht werden. Ein Düsseldorfer Ehepaar kümmert sich gar um die Pflege des Loreley-Brunnens in New York. Der sollte eigentlich als Geschenk der Kaiserin Sissi am Rhein seinen Platz finden. Doch früher konnte dort von Liebe zu dem Poeten keine Rede sein - den Brunnen wollte man nicht haben, ging zu dem Juden und kritischen Geist auf Distanz.
Als die Stadt 1997 den 200. Geburtstag des Literaten ganz groß feierte, lag der letzte Zoff nur einige Jahre zurück: Erst nach massiven Protesten konnten die Studenten die Benennung der Düsseldorfer Hochschule nach Heine durchsetzen. In seinem Geburtshaus in der Bolkerstraße 53 befindet sich das Literaturhaus mit Veranstaltungsräumen, einer Buchhandlung und einem Restaurant. Wetten, dass ihn das freuen würde?
Zäh verteidigten die Nazi-Oberen der Stadt im April 1945 Macht und Pfründen: Die Amerikaner standen schon am linken Rheinufer - bereit, jeden Widerstand mit Waffengewalt niederzuzwingen. Eine Gruppe mutiger Männer um den Polizeioberstleutnant Franz Jürgens und den katholischen Widerstandskämpfer Aloys Odenthal übernahm handstreichartig die Macht im Präsidium. Jürgens kam dabei ums Leben; Odenthal schlug sich zu US-General Patton durch und überzeugte ihn, die geschlagene Stadt ohne weiteres Blutvergießen zu besetzen. Für sein Handeln in jener Nacht des 17. April 1945 wurde Odenthal 1985 die Ehrenbürgerwürde verliehen. Er starb mit 91 Jahren am 30. November 2003.
Düsseldorfs 218 Mio. Euro teure neue LTU-Arena ist reif für die Bundesliga - Fortuna leider nicht. Der Verein war 1933 Deutscher Meister, heute kämpfen die Spieler um den Klassenerhalt in der Regionalliga. Treue Fans haben sie trotzdem: Die Düsseldorfer Punkrocker »Die Toten Hosen« retteten den angeschlagenen Club 2001, indem sie als Hauptsponsoren einsprangen. Auch Eishockey, einst eine Düsseldorfer Domäne, ist kein großes Thema mehr: Um die legendäre Mannschaft der DEG ist es ruhig geworden. Gut, dass es wenigstens American Football gibt - die Jungs von Rhein Fire spielen in der NFL Europe ganz vorn mit. Düsseldorfs einstigen Ruf als Sportstadt konnten auch sie nicht retten: Die Ambitionen, Gastgeber der Olympischen Spiele 2012 zu sein, scheiterten bereits national. Und zur Fußball-WM 2006 taucht die neue Superarena im Spielplan erst gar nicht auf.
Wassersportler haben auf dem Rhein und den umliegenden Seen viel Platz für ihr nasses Hobby. Und noch mehr: Alljährlich in der letzten Januarwoche wird das Messegelände zum Mekka für Surfer, Angler, Taucher und Freizeitkapitäne: Zur boot, der weltgrößten Fachmesse für den Wassersport, kommen in acht Tagen rund 300 000 Besucher. Gezeigt wird alles, vom Schnorchel bis zur Luxusyacht. Zum Gucken kommen auch Könige, manchmal sogar als Schirmherren.
Das prächtige Standbild des Kurfürsten steht bis heute auf dem Marktplatz. Johann Wilhelm, so sein richtiger Name, war zwar kein erfolgreicher Politiker, doch sein prunkvoller Lebensstil imponierte den Bürgern. Es gab rauschende Feste. Der Rubens-Sammler galt als Mäzen internationaler Künstler. Doch mit seinem Tod 1716 war der Glanz im wahren Sinne des Wortes vorbei: Jan Wellem genoss auf Pump. Düsseldorf war pleite, musste seine 383 Straßenlaternen aus Kostengründen wieder ausknipsen. Immerhin verblieb die Rubens-Sammlung in der Stadt - bis Napoleon Gefallen an ihr fand.


