In der reichen und vielfältigen Museumslandschaft Nordrhein-Westfalens ist es für die einzelnen Städte nicht ganz einfach, sich ein eigenes Renommee zu erwerben. In Düsseldorf war man wohl in einer etwas privilegierten Situation, da man zum einen auf eine lange Tradition als Kunst- und Akademiestadt zurückschauen konnte. Zum anderen sind durch das herausragende Engagement und die außergewöhnliche Sachkenntnis maßgeblicher Personen Sammlungen entstanden, die auch verwöhnte Museumsbesucher interessieren. Überregional bekannt ist die so genannte Kunstachse, eine Strecke, die aus dem Museum Kunstpalast im Ehrenhof und dem Kunstpalast, der Akademie, der Kunstsammlung und der Kunsthalle bzw. dem Kunstverein besteht.
Seit 2005 beherbergt das ehemalige Gebäude der Kunstgewerbeschule die Akademie-Galerie, die damit zum jüngsten Treffpunkt in der Düsseldorfer Kunstszene avanciert. Es ist geplant, dass in jedem Semester eine Ausstellung stattfindet, in der der Öffentlichkeit die Werke der Professoren und Studenten der Kunstakademie vorgestellt werden. In der Eröffnungsausstellung wurde die Arbeit von Ewald Mataré gewürdigt, der vor und nach dem Zweiten Weltkrieg an der Akademie lehrte. Die Initiatoren der Galerie haben ambitionierte Pläne: So soll ein umfangreiches Archiv und eine systematische Sammlung von Werken der Lehrenden und Akademieabsolventen aufgebaut werden, die allen Interessierten zugänglich ist. Die aktuellen Ausstellungstermine finden Sie in der Tagespresse und auf der Homepage der Kunstakademie.
In dem schönen Neubau im Nordpark wird die Entwicklung des Lebens nachgestellt; Schau- und Panoramaaquarien und Terrarien sowie ein Seehund- und Pinguinbecken mit Wasserfall machen das Thema im wahrsten Sinne des Wortes lebendig. Weitere Themen wie »Mensch und Umwelt« und die Frühgeschichte der Menschheit werden ebenfalls behandelt; Wechselausstellungen widmen sich speziellen Aspekten. Das Löbbecke-Museum mit dem Aquazoo ist das beliebteste Düsseldorfer Museum.
Mehr als 200 antike französische Stand- und Wanduhren aus der Comtoise sind in der Manufaktur eines Uhrmachers in Bilk zu sehen. Eine Sammlung, die in Deutschland ihresgleichen sucht.
Im so genannten Alten Haus in der Altstadt, das als das schönste Düsseldorfer Bürgerpalais des 18. Jhs. gilt, befindet sich ein Privatmuseum. Friedrich G. Conzen, Inhaber verschiedener Kunsthandlungen und einer traditionsreichen Rahmenwerkstatt, hat eine außergewöhnliche Sammlung an Bilderrahmen von der Gotik bis zum 19. Jh. zusammengetragen. Der Schwerpunkt der ca. 1200 Stücke umfassenden Sammlung liegt auf italienischen Rahmen des späten 16. Jhs. Die Objekte und die Führung durch die schönen, mit antiken Möbeln eindrucksvoll ausgestatteten Räume vermitteln Aspekte der Kunstgeschichte, die sonst eher stiefmütterlich behandelt werden.
Eine ebenso große Attraktion ist die Ausstellung alter Düsseldorfer Stadtansichten, die Informatives und Kurioses zeigt. Neben Plänen, Karten und Stichen des Düsseldorfer Gesellschaftslebens gibt es z. B. auch einige schöne Plakate mit Aufführungsankündigungen des Schauspielhauses aus den 20er-Jahren. Besichtigung nach Vereinbarung.
Düsseldorfer Theatergeschichte im Hofgarten: Im ehemaligen Hofgärtnerhaus wird die traditionsreiche, vierhundertjährige Düsseldorfer Theatergeschichte dokumentiert. Das erste in Deutschland nachgewiesene opernhafte Singspiel, »Orpheus und Amphion«, wurde 1585 in Düsseldorf aufgeführt. Eine Blüte erlebte das Musiktheater unter Jan Wellem, und im 19. Jh. gab Karl Immermann dem deutschen Theater mit seiner »Musterbühne« neue Impulse. 1905 eröffneten Louise Dumont, eine gefeierte Ibsen-Darstellerin, und Gustav Lindemann das Düsseldorfer Schauspielhaus; ihr berühmtester Schüler wurde Gustaf Gründgens, der von 1947 bis 1955 als Intendant des Düsseldorfer Schauspielhauses der Stadt einige ruhmreiche Spielzeiten bescherte. Das Dumont-Lindemann-Archiv bildet den Grundstock des Theatermuseums.
1993 wurde das Filmmuseum in der Altstadt eröffnet. Es teilt sich das Gebäude mit dem Keramikmuseum, und im gemeinsamen Foyer hat Heinz Mack in seiner Gestaltung darauf angespielt. Das Motiv Licht wird durch vielfältige Prismenformen und Installationen aufgenommen und variiert. Der Aufbau der Ausstellung folgt keinem chronologischen Prinzip, sondern Themen wie »Schule des Sehens«, »Träume zu verkaufen« oder »Palast der Illusionen«, Starkult und Mythen, Trick und Ästhetik. In geheimnisvollen schwarzen Kabinetten und Labyrinthen entfalten die Exponate, Projektionen und Lichtereignisse eine ungewöhnliche, sehr reizvolle Wirkung. Im Dachgeschoss ist ein Filmstudio nachgebaut, mit allem, was dazugehört - Hollywood in Düsseldorf!
Ursprünglich war das Schloss Jägerhof die Amtswohnung der bergischen Oberjägermeister. Nach starken Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg beherbergt es heute die größte private Goethe-Sammlung, gestiftet von Anton und Katharina Kippenberg. Kippenberg war seit 1905 Verlagsleiter des Insel-Verlags in Weimar. Originaldokumente illustrieren Goethes Leben, seine Beziehung zu Schiller und den Jacobi-Brüdern (deren Haus nur ein paar Meter entfernt ist). Besondere Schwerpunkte sind Themen wie »Werther« und »Faust« sowie ein naturwissenschaftliches Kabinett.
Hier befindet sich auch die Stiftung Ernst Schneider mit Meißner Porzellan und Augsburger Silber aus dem 18. Jh.
Das Institut ist Forschungsstätte und Museum zugleich. Es dokumentiert wichtige Stationen aus Heines Leben und seiner Arbeit. Fast die Hälfte aller existierenden Heine-Autografen befindet sich hier. Großen Raum nimmt auch die Rezeptionsgeschichte ein, seien es die Vertonungen oder die Auseinandersetzungen moderner Künstler mit Heine. Zahlreiche Veranstaltungen und Wechselausstellungen sollen die Verbundenheit der Düsseldorfer mit ihrem berühmten und nicht immer geliebten Mitbürger stärken.
Das Institut betreut außerdem ein rheinisches Dichter- und Komponistenarchiv, das aus Nachlässen, bzw. Handschriften u. a. von Friedrich von Spee, den Brüdern Jacobi, Karl Immermann, Christian Dietrich Grabbe, Robert Schumann und Felix Mendelssohn Bartholdy besteht.
Beileibe kein Töpfereiarchiv, sondern Deutschlands einziges Spezialmuseum und eins von vier Instituten weltweit, das die Keramiken aller Zeiten und Kulturen unter kultur- und kunsthistorischen Aspekten sammelt und erforscht. Die mehr als 10 000 Stücke umfassende Sammlung, von der nur ein Teil gezeigt wird, befindet sich seit Anfang 1994 in einem neuen Gebäude, in dem auch das Filmmuseum untergebracht ist. Im Palais Nesselrode, einem sehr schönen Barockbau nebenan, der unterirdisch mit dem Neubau verbunden ist, wird die Keramik des 18. Jhs. ausgestellt, alle anderen Exponate werden im neuen Haus präsentiert. Der zeitliche Bogen reicht von 6000 v. Chr. bis zur Gegenwart. Schwerpunkte sind fernöstliche, islamische und mediterrane Keramik sowie Fayencen und Porzellan des Barock. Neben der Darstellung der historischen Perioden mit imponierenden Zeugnissen nimmt die Keramik der Gegenwart großen Raum ein. Sonderausstellungen geben Einblicke in die Schatzkammern europäischer Schlösser und Fürstenhöfe, zeigen unkonventionelle Keramikarbeiten junger Künstler oder stellen die verborgenen Schätze privater Sammlungen vor.
Die Kunsthalle, ein klobiger Bau aus den 1960er-Jahren, beherbergt auch den Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen. Eine eigene Sammlung gibt es nicht, dafür Wechselausstellungen berühmter Maler der klassischen Moderne. An der Seitenfront stehen vier Monumentalskulpturen griechischer Göttinnen. Der »Habakuk«, die Vergrößerung einer Plastik von Max Ernst, bewacht den Eingang.
Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen
Den Grundstock der bedeutenden Sammlung moderner Kunst (K 20) bilden 88 Gemälde von Paul Klee, die die Landesregierung Nordrhein-Westfalen 1960 aus amerikanischem Privatbesitz erwarb. Das war auch eine Art Wiedergutmachung gegenüber Paul Klee, der an der Düsseldorfer Kunstakademie gelehrt hatte und Deutschland 1933 verlassen musste. 1965/66 konnten durch eine Spende des WDR in Höhe von 15 Mio. Mark zahlreiche Bilder moderner Künstler erworben werden. 1986 wurde der von einem Kopenhagener Architektenbüro entworfene neue Museumsbau eingeweiht. Durch eine Sheddachkonstruktion (Sägedach) fällt in fast alle Räume natürliches Licht; die dunkle, polierte Granitverkleidung spiegelt eindrucksvoll die gegenüberliegende Kunsthalle und die Andreas-Kirche.
Die Bestände sind in zwei Abteilungen unterteilt. Die erste mit der Kunst vor 1945 präsentiert die wichtigsten Strömungen der Moderne mit Werken von Pablo Picasso, Max Ernst, Salvador Dalí, Wassily Kandinsky, Henri Matisse und anderen. Die zweite Abteilung mit der Kunst nach 1945 zeigt bedeutende Vertreter amerikanischer Richtungen und die Kunst des europäischen abstrakten Expressionismus. Sie sollten sich unbedingt das Herzstück der Sammlung, die Arbeiten von Paul Klee, ansehen; ebenso die Sondersammlung mit Werken von Jules Bissier. Meist gibt es sonntags um 11.30 Uhr Führungen durch die ständige Sammlung und durch die jeweils aktuelle Ausstellung. Außerdem häufig Vorträge, die in der Tagespresse und im Museum angekündigt werden.
2002 hat die Kunstsammlung NRW eine Dependance (K 21) im historischen Ständehaus, dem alten Landtag, eröffnet. Dort soll die Arbeit der K 20 mit der Sammlung moderner, zeitgenössischer Kunst des 21. Jhs. nach und nach fortgesetzt werden. Dazu kommen wechselnde Ausstellungen bekannter Künstler. Das Wahrzeichen des Ständehauses ist die große Glaskuppel auf dem Dach. In der Museumsgastronomie Bar am Teich treffen sich abends viele junge Leute.
1987 wurde die dokumentarische Ausstellung über Verfolgung und Ermordung von Juden, Kommunisten und Zigeunern in Düsseldorf während des Nationalsozialismus eingerichtet. Der Ort ist nicht willkürlich gewählt: 1933 und 1934 waren hier die Zellen der Polizei, in denen politische Gefangene saßen. Später diente das Gebäude der Wehrmacht. Interessante Wechselausstellungen zu verschiedenen Spezialthemen ergänzen die Dokumentation. Führungen jeden ersten Sonntag im Monat, Altstadtführungen jeden dritten Sonntag im Monat, jeweils 11 Uhr.
Das alte Kunstmuseum im Ehrenhof, Ausstellungsort für Bilder von berühmten Vertretern der Düsseldorfer Malerschule wie Alfred Rethel, Carl Friedrich Lessing und Johann Wilhelm Schirmer, hat 2001 ein neues Gesicht bekommen: Im Rahmen einer Partnerschaft zwischen der Stadt und einem Energiekonzern ist das Museum Kunstpalast entstanden. Für rund 32 Mio. Euro hat die Stiftung auch den alten Kunstpalast mit über 4000 m² Ausstellungsfläche wiederbelebt; dort werden wechselnde Ausstellungen auf höchstem Niveau gezeigt.
Die Themen sind häufig übergreifend formuliert, beispielsweise werden Werke religiös inspirierter Kunst aus Afrika gezeigt oder die alten flämischen Meister mit einer Reihe junger niederländischer und belgischer Künstler kontrastiert. Das Ensemble vervollständigen der Robert-Schumann-Saal als Ort für Musik, Theater und Performance sowie das Glasmuseum mit Glasprodukten von der Antike bis zur Gegenwart (Teile der Schau im Gewölbe der Tonhalle).
Nicht nur für Hobbyschiffer ist dieses Museum interessant. Im alten Schlossturm wird durch ca. 120 Modelle ein vollständiger Überblick über die Geschichte der Binnenschifffahrt geboten. Seit 1984 ist diese Sammlung im Schlossturm, dem letzten noch erhaltenen Teil des alten Schlosses, untergebracht. Bei der Restaurierung entdeckte man im Kellerraum die Spuren einer Anlage, die noch älter als das Schloss sein muss und wahrscheinlich aus dem 13. Jh. stammt. Direkt am Rhein stehend, ist der Turm ein idealer Ort für das Binnenschifffahrtsmuseum. Themenbezogene Führungen im Museum jeden ersten Sonntag im Monat um 15 Uhr, diese Führungen werden wöchentlich wechselnd für Kinder oder Erwachsene angeboten.
Das 1755 von Kurfürst Karl Theodor erbaute Jagd- und Gartenschloss in Benrath ist ein Kleinod. Kein anderes europäisches Baudenkmal dieser Zeit ist so gut erhalten. Das Bemühen, eine Gesamtkomposition von Architektur, Gartenkunst, Bildhauerei und dekorativen Künsten zu schaffen, ist charakteristisch für die Epoche des späten Barocks am Übergang zum Klassizismus. Architekt war der »Intendant über die Gärten und Wasserkünste« am Mannheimer Hof, der Franzose Nicolas de Pigage. Den Weiher und den langen Kanal speist das Flüsschen Itter. Über schöne Terrassen auf verschiedenen Ebenen gelangt man in die Gartensäle des Schlosses. Die Räume sind reich ausgestattet mit Parkett, Wandbespannungen und -vertäfelungen und Stuckarbeiten. Im Sommer finden häufig klassische Konzerte im Schlosspark statt. Besichtigung nur mit Führung möglich, die ca. 1 Stunde dauert und halbstündlich angeboten wird; der Park ist frei zugänglich. Im aufwändig restaurierten Ostflügel des Schlosses wurde anlässlich der Gartenschau »Euroga 2002 plus« das weltweit erste Gartenkunstmuseum eröffnet. Schloss und Park bieten sich als erlebbares Zentrum für die Geschichte der europäischen Gartenkunst an, weil alle Stile in Benrath vertreten sind. Auf 1200 m² sind Skulpturen, Gemälde, Modelle und multimediale Präsentationen zu sehen.
Alles Wissenswerte rund um den beliebten Mostert erfährt man im Senfmuseum und -laden der Düsseldorfer Löwensenf GmbH. Es werden zwar keine Führungen angeboten, aber das Personal ist hilfsbereit und beantwortet alle Fragen. Außerdem gibt's eine kleine Schaumanufaktur, und man kann alle Geschmacksvarianten von süß über würzig bis scharf verkosten.
Das Stadtmuseum bietet in einem reizvollen Gebäude einen Rundgang durch die Düsseldorfer Geschichte von der Steinzeit bis zur Gegenwart. Durch die Ausgrabungen am Rheinort sind in jüngerer Zeit neue Funde dazugekommen, u. a. eine Kuriosität: die Reste eines offenbar abrupt unterbrochenen Festmahls. Düsseldorfs Zeit als Residenzstadt ist gut und mit zum Teil prächtigen Stücken dokumentiert. Besonderer Schwerpunkt ist jedoch der Aufstieg zur Industrie- und Verwaltungsstadt internationalen Formats. Das Stadtmuseum versteht sich dabei nicht als lediglich archivierende Institution oder gar Heimatmuseum, sondern als ein Ort, der auch durchaus provozierende Fragen aufwirft. In diesem Sinne sind auch vier Räume zu verstehen, in denen eher assoziativ, unter Einbeziehung der Werke zeitgenössischer Künstler, Geschichte und vor allem das Thema menschlichen Leidens behandelt werden. Neue Sammlungen wie Mode und Textil und Düsseldorfer Schmuck knüpfen an gegenwärtig wichtige Wirtschaftszweige der Stadt an. Jeden Sonntag um 11 Uhr themenbezogene Führungen, einmal im Monat um 15.30 Uhr Führungen für Kinder und Eltern.


